Ein Plädoyer für das Teppichbahning

H0-TeppichbahningWenn man bei google “Teppichbahning” eingibt, kommen 9.350 Ergebnisse. Man kann also ohne Angst davon ausgehen, dass es ausreichend Individuen gibt, die sich damit beschäftigen und darüber etwas ins Netz stellen. Da einige der hier mitmachenden Technikfreunde ebenfalls zur infizierten Teppichbahning-Community gehören, sollte das Thema hier grundlegend erörtert werden. Dazu rufen wir einige der bekannten W’s auf.

Was?

Es geht um’s Teppichbahning. Was ist das? Man kann einige Definitionen finden und/oder sich seine eigene basteln. Unsere ist: Schneller Auf- und Abbau von Gleisplänen mit Bettungsgleisen (in unserem Falle Roco geoLine) oder anderem geeigneten Gleismaterial (z.B. Piko A-Gleis) und einfacher digitaler Steuerung durch die beiden Schienen im Gleis. Die Weiterentwicklung kann man Teppichbahning plus nennen. Dabei kommen dann modulare Geländestücken zum Einsatz.

Wer?

Es gibt Menschen, die mögen die Modelleisenbahn. Sie müssen nicht zwangsläufig Hobby-Landschaftsgestalter sein, weshalb diese einfach ein paar Gleise im Schrank haben, und wenn sie mal wieder Lust haben, ihre Modellbahn-Schätzchen über die Gleise fahren zu sehen, dann bauen sie eine Teppichbahning-Anlage auf. Dann gibt es noch die, die zu wenig Platz für eine stationäre Anlage haben und deshalb auf das Konzept des Teppichbahnings zurückgreifen müssen. Leute, die mehr auf Fahrbetrieb stehen als den Landschaftsbau, schaffen sich sowieso keine fixe Anlage an, sondern machen Teppichbahning.

So kann ein kleines Teppichbahning mit Roco geoLine-Gleisen aussehen

So kann ein kleines Teppichbahning mit Roco geoLine-Gleisen aussehen

Kurzum: Es ist also die ideale Modellbahnbauform für alle Kind-gebliebenen Technik-Erwachsenen, die der heimischen Freundin oder Frau einen Kompromiss anbieten wollen: Die Sache ist spielerisch schnell und jedes Mal in anderer Form aufgebaut und aber eben nach einer Woche oder zumindest spätestens vor dem nächsten Schwiegereltern-Besuch wieder weggeräumt.

Wieso?

Teppichbahning ist die klassische Möglichkeit für Modelleisenbahn-Fans, ihre Züge fahren zu lassen ohne eine stationäre Anlage zu haben. Die Gründe sind vielfältig. Die einen haben keinen Platz für die klassische Modellbahnplatte und die anderen wollen ihren Platz nicht hergeben.

Der wichtigste Grund ist und bleibt aber, wieder einen Anlass mehr zu haben, sich regelmäßig mit Gleichgesinnten zu treffen, fachchinesisch zu sprechen und Gerstensaft dazu zu genießen. Welche Grund braucht man da noch mehr …

Womit?

Kommen wir zu den technischen Hintergründen des Teppichbahnings. Neben den Zügen ist es sinnvoll Gleise zu haben. Wie oben angesprochen wäre ein Bettungsgleis sinnvoll, da es den direkten Schmutz des Fußbodens abhält, da die Zwischenräume zwischen den Gleisschwellen verschlossen sind. Für 3L-Bahner bietet sich das C-Gleis von Märklin an, 2L-Bahner wie wir können auf das geoLine-Gleis von Roco zurückgreifen.

Für einen schnellen Auf- und Abbau ist die Digitaltechnik das Maß der Dinge: man schließt zwei Kabel ans Gleis und kann mit einer digitalen Steuerung wie der Roco MultiMaus die Züge und Weichen steuern. Dazu hat jedes Triebfahrzeug einen Decoder an Bord, womit es die digitalen Signale aus der Gleisspannung fischt und nur dann losfährt, wenn es einen nur an ihn adressierten Befehl dazu bekommt. Die Weichen funktionieren genauso. Ein Decoder schaltet die Weiche nur dann, wenn über die selbe Gleisspannung ein Befehl kommt. Genial ist dann, wenn der Weichenantrieb (und der Decoder) gleich seinen Platz in der Bettung der Weiche sitzt, dann ist er nämlich von außen unsichtbar. Wer Lust auf Basteln bzw. Geld übrig hat, kann auch noch Signale oder Entkuppler mit einbinden.

Wie?

Zum Teppichbahning kann man auf zweierlei Weise kommen. Entweder man setzt sich mit seinen Gleisen in den Raum wo die Fahrerei stattfinden soll und probiert aus, wie man eine schöne Strecke hinbekommen kann, oder man nutzt Gleisplan-Software und erstellt erst einmal virtuell seine Strecke(n). Dazu gibt es kostenfreie und kostenpflichtige Programme, die einen entsprechenden Leistungsumfang haben.

Dann stellt bzw. legt man sich Bildschirm, Laptop oder Ausdruck hin und steckt seine Gleise fürs Teppichbahning zusammen.

Der große Vorteil an der vor-virtuellen Aufbereitung ist natürlich, dass man erst kurz vor Beginn der nächsten Spielsession das Chaos im heimischen Wohnzimmer ausbrechen lässt, so lässt sich der Zeitraum des Müde-Belächeltwerdens durch den Wohnpartner weiter verkürzen…

Wo?

Wie der Name Teppichbahning schon verrät, lässt man seine Modellbahn auf dem Teppich fahren. Also überall wo Teppich liegt, kann man Teppichbahning machen. Gut, etwas ausweiten darf man den Begriff Teppichbahning dann doch – baut man seine Gleise auch auf Laminat, Parkett und Fliesen auf. Spaß beiseite. Jeder Raum, in die man ein paar Gleise legen kann, ist letztendlich dafür geeignet. Zusammenfassend kann man sagen, dass – je nach Ausprägung des Wahnsinns und dem zur Verfügung stehenden Budget – zu Hause, in einem Klubraum oder, wer’s richtig wissen will, in einer leeren Halle ein Teppichbahning möglich ist.

Wer mal gucken will, was andere Teppichbahner so treiben, kann ja mal die Seiten besuchen, die auch bei der google-Suche erscheinen und bei denen wir auch gern öfter mal vorbei schauen www.teppichbahn.org und www.extrem-teppichbahning.de. Bald mehr…

18. Februar 2011 von Jochen

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Kommentare, Fragen und Tipps

2 Beiträge zu “Ein Plädoyer für das Teppichbahning”

  1. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Weichen digital schalten beim Teppichbahning schreibt am 21. Februar 2012 um 22:56:

    […] MultiMaus, jede zuvor festgelegte Weiche individuell geschaltet werden kann. Das ist vor allem beim Teppichbahning interessant, wo es sinnvoll ist, auf jegliche zusätzlich Verkabelung zu verzichten: Beim Aufbauen […]

  2. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Verhindern von Problemen beim konstanten Bremsweg des Lenz ABC-Systems schreibt am 08. Mai 2012 um 13:35:

    […] Lösung ist mit geringem Aufwand auch fürs Teppichbahning streckenseitig zu lösen. Die Kosten halten sich dabei in Grenzen. Die schaltbare Bremsstrecke aus […]

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