ABC-System von Lenz

Da beim Betrieb der Modellbahnmodule die Digitalsteuerung in Form einer Roco MultiMaus zum Einsatz kommt und die Digitalkomponenten in den aktuellen Roco-Fahrzeugen weitestgehend von Lenz sind, werden möglichst Lenz-Decoder in die zu digitalisierenden Triebfahrzeuge eingesetzt. Da die Firma Lenz nicht nur super funktionierende Standard-Decoder in ihrem Programm hat, sondern auch Decoder mit einigen zusätzlichen Features, musste überlegt werden, ob diese denn sinnvoll beim Teppichbahning und bei den Modulen einsetzbar sind.


Der einige Euro mehr als der Standard-Decoder kostende Lenz Silver+ hat außer den obligatorischen Anschlüssen für den Lichtwechsel noch weitere drei Anschlüsse für zusätzliche Funktionen. Des Weiteren kann er über eine sehr einfache Schaltung in einen Modus wechseln, der eine automatische Bremsung vornimmt. Diese Funktion gehört zum System, welches Lenz ABC nennt. Das Spitzenmodell der Lenz-Lokdecoder namens Gold+ besitzt neben der ABC-Technik noch weitere Ausstattungsmerkmale.

Was ist das Tolle an ABC?

Nun, eine automatische Bremsung kann in DCC auch über eine Gleichspannung realisiert werden. Das ABC-System von Lenz trumpft aber mit einem weiteren genialen Merkmal auf, von dem der gemeine Modellbahner nur zu träumen wagte. Es ist nämlich möglich, aus verschiedenen Geschwindigkeiten an nahezu ein und demselben Punkt anzuhalten. Dieser konstante Bremsweg ist über digitale Parameter einstellbar, so dass jeder Decoder individuell auf die Lok abgestimmt werden kann. Des weiteren ist ABC richtungsabhängig. Das heißt, dass auf eingleisiger Strecke ein Zug am roten Signal anhält, sein Gegenzug aber aus der anderen Richtung durchfährt. Wie das technisch realisiert wird, erfährt man im nächsten Abschnitt.

Technische Umsetzung

Rückgrat des Systems ist der ABC-Technik-fähige Lokdecoder. Er muss die im Gleis bereitgestelten Informationen verstehen und die entsprechenden Befehle umsetzen. Zu den Fähigkeiten des ABC-Systems zählt neben der automatischen Bremsung und dem konstanten Bremsweg auch die Eigenschaft der Langsamfahrt bei Signalstellung Hp2. Außerdem kann ein Pendelbetrieb eingerichtet werden, bei dem der Zug direkt pendelt oder an Zwischenstationen hält.

Die verschiedenen Parameter sind einfach und schnell einstellbar. Per Roco MultiMaus und der CV-Tabelle sind die Einstellungen rasch getätigt. Man muss sich allerdings die abgespeicherten Werte aufschreiben, da man sie nicht aus dem Decoder mit der MultiMaus auslesen kann. Einstellbar sind die Werte für

  • Ein- und Ausschalten des automatischen Bremsens
  • Ein- und Ausschalten für den konstanten Bremsweg
  • Länge des konstanten Bremswegs
  • Ein- und Ausschaltung der Richtungsabhängigkeit
  • Ein- und Ausschalten des Pendelbetriebs mit und ohne Zwischenhalt
  • Geschwindigkeit (Langsamfahrt) bei Hp2
  • Aufenthaltsdauer bei Pendelbetrieb

Die oben angespochene Richtungsabhängigkeit wird durch eine einfach Maßnahme in der Infrastruktur erreicht: Man trennt die in Fahrtrichtung rechts liegende Schiene im Gleis auf und versorgt über diese das Triebfahrzeug mit den nötigen Informationen, wie Halt oder Langsamfahrt. Ein Zug, welcher die Informationen über die linke Schiene im Gleis bekommt (also in Gegenrichtung fährt), ignoriert diese einfach. So können Signalhalte auch auf eingleisigen Strecken problemlos integriert werden. Technisch außerdem interessant ist, dass alle Funktionen beim Signalhalt weiterhin geschaltet werden können. Wenn der Signalhalt an einem Kopfbahnhof geschehen ist, kann problemlos rückwärts aus dem Bahnhof herausgefahren werden. Im Rangiergang oder im Modus “Halbe Geschwindigkeit” ist ABC abgeschaltet, man kann also bei Rot zeigendem Signal im Bahnhof rangieren.

Kurzschlüsse an den Trennstellen führte bei anderen technischen Lösungen zum Thema automatisches Bremsen zu Problemen, die aufwändig gelöst werden mussten. Bspw. musste sich der Zug komplett im abgetrennten Bereich befinden, um den Kurzschluss zu vermeiden. Da die ABC-Technik bspw. bei der Bremsung mit einem asymmetrischen Signal arbeitet, wird das Signal beim Kurzschließen der Trennstelle einfach nur kurz symmetrisch. Der Decoder erkennt nach vollständigem Einfahren hinter der Trennstelle die Asymmetrie und bremst bis zum Anhaltepunkt.

Für die weitere Umsetzung des ABC-Systems benötigt man neben dem speziellen Decoder noch Module, die die entsprechenden Signale im Gleis zur Verfügung stellen. Dazu hat Lenz derzeit drei Module im Programm.

  • BM1 – für einfaches Abbremsen bei Hp0
  • BM2 – für Bremsen und Langsamfahrt
  • BM3 – für automatischen Blockstreckenbetrieb

Diese Bausteine sollen nicht im Einzelnen vorgestellt werden, das ist auf der Homepage von Lenz gut dokumentiert. Einzig das BM1 soll kurz angesprochen sein, denn das macht mit teilweise hintereinander geschalteten Dioden aus dem symmetrischen Digitalsignal ein asymmetrisches. Was dann passiert, ist bereits oben beschrieben. So kann im Nachbau ziemlich einfach und preiswert die Infrastruktur der Modellbahn ausgerüstet werden.

Nachteil

Einen entscheidenen Nachteil hat das ABC-System allerdings. Sobald die Trennstelle von elektrisch verbundenen Rädern eines Drehgestells von beleuchteten Wagen überbrückt wird, startet der konstante Bremsweg von vorn und die Lok fährt über den zuvor festgelegten Anhaltepunkt hinaus. Die Firma Lenz empfiehlt, ein BM2-Modul zu verwenden, um dieses Problem zu beheben. Das setzt aber eine gewisse Infrastruktur voraus, welche bspw. Teppichbahner oder Leute mit wenig Platz nicht haben. Sicherlich hat Lenz ein Interesse daran seine Produkte zu verkaufen, aber man bezahlt schließlich schon mehr für die mit der ABC-Technologie ausgestatteten Decoder.

Unsere Idee ist, eine per CV festzulegende Zeit am Decoder einstellen zu können, die so lang ist, wie das Drehgestell in etwa über die Trennstelle fährt. Das wäre eine kostengünstige und einfach umzusetzende Lösung, müsste aber von Lenz in den ABC-Decodern integriert sein. Modellbahner, denen dieses Handicap zu sehr stört, werden sich mehrmals überlegen, ob sie die teureren Decoder mit ABC-Technik ordern. Nichtsdestotrotz wird hier nach Lösungsansätzen gesucht und Wert auf die Einfachheit gelegt, die auch für den Teppichbahner interessant sein soll, denn die Idee mit der einzustellenden Zeit wird auf Anfrage vorerst nicht verwirklicht.

07. März 2011 von Linus

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Kommentare, Fragen und Tipps

9 Beiträge zu “ABC-System von Lenz”

  1. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Eine Roco H0-BR111 in orientrot wird wieder hergerichtet – Teil 3 schreibt am 29. Juni 2011 um 19:48:

    […] für H0-Loks und echten (!) Wendezugbetrieb mit konstantem Bremsweg unter Zuhilfenahme von Lenz’ ABC werden. Dazu noch Spitzenlicht mit LEDs… Doch dazu mehr im nächsten […]

  2. Hans schreibt am 15. August 2011 um 12:23:

    Hallo! Lese diesen Artikel mit Interesse, weil ich mit digital neu anfange und das ABC unbedingt nutzen will. Von dem geschilderten Nachteil lese ich zum erstenmal, nach Erläuterung der elektrischen Gegebenheiten erscheint es mir aber logisch. Ihr schreibt, dass weiter nach Lösungsmöglichkeiten gesucht wird, die einfach sind.

    Nun, nach erster Überlegung, wie wäre es, wenn vor Beginn der Bremsstrecke ein zweiter Abschnitt gesetzt wird, der die Diodenbrücke doppelt? (Diese Dioden sind ja Pfennigartikel.) Man bräuchte dann für das Schaltrelais, das mit dem Signal gekoppelt ist, nur zwei statt einem Schließer. Diese “Vorstrecke” müsste länger sein als die längste denkbare Strecke, die durch Wagengestelle oder Loks überbrückt werden kann, aber kurz genug, dass keine “Überbrückungsketten” über mehrere Wagen entstehen können, die den Hauptbremsabschnitt mit dem ungeregelten Bereich vor dem “Vorbremsabschnitt” koppeln.

    Auf diese Weise würde zwar der “Vorbremsabschnitt” alternierend mit “Hauptstrom” versorgt, aber wenn die Zuglok erstmal drüber hinaus in den Hauptbremsabschnitt eingefahren ist, würde kein nachfolgender Wagen mehr diesen Abschnitt zum ungeregelten Bereich brücken können, da im Moment des Überfahrens der zweiten Trennstelle die Vorstrecke auch immer gerade den “Bremsstrom” erhält.

    Habe ich mich verständlich ausgedrückt oder klingt das nach totalem Blödsinn?

    Viele Grüße
    Hans

  3. Linus schreibt am 16. August 2011 um 20:34:

    Hallo Hans,
    da schon eine Lösung erarbeitet und erfolgreich getestet worden ist, klingt die Idee überhaupt gar nicht nach Blödsinn. Sie ist allerdings noch etwas einfacher und kostengünstiger als Du sie beschrieben hast. Wir sind leider mit der hiesiegen Erörterung des Themas etwas im Verzug, aber so schnell es geht, wird es hier erscheinen.
    Schöne Grüße!

  4. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Die Modellbahnmodule – Teil 13 – erstes Segment für “Teppichbahning plus” schreibt am 16. August 2011 um 21:55:

    […] regeln sollen. Diese sind so geschaltet, dass im Gleis ein Signal erzeugt wird, das Fahrzeuge mit ABC-fähigen Decodern anhalten lässt. Signale mit Zugbeinflussung sorgen für […]

  5. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Ausflug in die Welt der Digital-Decoder schreibt am 25. September 2011 um 23:09:

    […] die in ihm geschaffenen Funktionen des ABC-Systems, welche ja bereits vorgestellt worden sind. Das ABC-System findet sich in allen Lenz-Decodern ab der Serie Silver […]

  6. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Eine Roco H0-BR111 in orientrot wird wieder hergerichtet – Teil 4 schreibt am 06. Dezember 2011 um 00:10:

    […] Beleuchtung lässt keine Trennung der beiden Zugseiten zu. Des weiteren sollte die BR111 das ABC von Lenz können und als richtige Modellbahn-Wendzuglok funktionieren. Doch das kommt in einem anderen […]

  7. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Weitere Infos zum 2011er BR175 der DR von Kato schreibt am 28. Februar 2012 um 22:39:

    […] Brückenstecker vorhanden, die die Stromabnahme verändern. Das tun sie auch, aber für das ABC-System nach erstem Test nicht geeignet. Außerdem gibt es ein Relais – Funktion unbekannt. Es zieht aber […]

  8. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Verhindern von Problemen beim konstanten Bremsweg des Lenz ABC-Systems schreibt am 08. Mai 2012 um 13:35:

    […] der genialen ABC-Technik von Lenz gibt es ein kleines Problem: Beim Befahren der Trennstelle mit einem mit Innenbeleuchtung versehenden Wagen (durch die im […]

  9. Peter Natz schreibt am 06. Mai 2014 um 14:59:

    Kann ich in einem Bahnhof auf drei Gleisen das ABC-System in beiden Fahrtrichtungen einsetzen (jeweils als Ende einer mit BM3 abgesicherten Strecke), in jeder Richtung mit einem BM2, sodass ich in beiden Richtungen das Gleis befahren und jeweils das Abfahrtssignal via ECoS geben kann?
    Ich habe darüber in den Betriebsanleitungen von Lenz und im internet keine Hinweise gefunden.
    Bin am Planen der Bahnhofsanlage und an einem Hinweis sehr interessiert. Vielen Dank.
    Peter Natz
    CH-8903 Birmensdorf

    6.5.14

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