3-Leiter-Gleise (mit Mittelleiter) für H0 selbst gebaut – Praxis

Nun wollen wir uns an die Umsetzung der Ideen aus der zuvor besprochenen Theorie machen, aus einem einfachen Zwei-Leiter-Gleichstromgleis ein Drei-Leiter-Wechselstromgleis nach alter Modelleisenbahn-Manier herzustellen. Wichtigste Aufgabe ist es, einen Mittelleiter auf einfache Art und Weise anzufertigen, damit der Arbeitsaufwand im Rahmen bleibt.

Im dazugehörigen Beitrag im Vorfeld, ist bereits ein Ansatz überlegt worden, wie man die Punktkontakte (PuKos) aus einem Stück Draht so biegen kann, dass er relativ leicht an den Gleisen montiert werden kann. Die Gleise, die ich zum Testen hernahm, sind zum einen das A-Gleis von Piko und das alte Roco-Gleis, welches ebenfalls eine Schienenprofilhöhe von 2,5mm aufweist. Dieses Gleis ist nach meinen Informationen aber ein Auslaufartikel.

Für den ersten Versuch genügte es meiner Meinung, eine PuKo-Drahtbiegelehre aus Holz zu bauen.

Einfach: die Biegelehre aus Holz

Mit der schon zuvor ausgedachten Biegereihenfolge konnte gleich mal die ganze Sache ausprobiert werden. Hier nochmal die Animation:

Befehl: so soll der Draht gebogen werden

Die ersten Biegeergebnisse waren auch gleich vielversprechend.

Lang: erster Biegeversuch mit dem Draht

Länger: trotz der hölzernen Biegelehre gleichmäßige Ergebnisse

Wie im Theorieteil überlegt wurde, sollte der gebogene Draht mechanisch in eine dreieckige Nut kommen, die zuvor mit einer Schlüsselfeile in das vorhandene Schwellenband des Roco-/ Piko-Gleises gefeilt wurde.

Echt Arbeit: die Nut ins Schwellenband zu kriegen

Als die Vorbereitungen für das Gleis beendet waren,ging es darum, die Bettung vorzubereiten, um ein Stück testweise verlegen zu können. Dazu sollte natürlich auch das Einschottern des neuen Gleises gehören. Also erst einmal eine Bettung schaffen…

Vorbereitet: Stück Holz mit Korkbettung für ein Muster

Nun musste das Ensemble auf dem Trassenbrett Probe liegen.

Probeliegen: Musterunterteil mit PuKo-Draht und präpariertem Piko A-Gleis

Mit Pattex und ziemlichem Gefummel lag dann irgendwann das neue Drei-Leiter-Gleis auf dem vorbereiteten Kork. Es war etwas fummelig, weil der Mittelleiter nicht mit dem Gleis verbunden war.

Gute Figur: vorgeformte Bettung mit verklebtem Mittelleitergleis

Dann kam mir die Idee, den vorgebogenen Draht zu erhitzen, um ihn mit den Schwellen zu verbinden. Dazu nahm ich den Lötkolben und erhitzte von oben die Leiterschleifen und drückte die Gleise nach unten. Man musste aber den richtigen Moment und Druck abpassen, damit sich die Schwellen bei zu großer Temperatur nicht verbiegen. Diese Idee war noch verbesserungswürdig.

Neue Idee: Mittelleiter mit Hitze in die Schwellen bringen

Trotzalledem war ich erst einmal zufrieden und froh, die blöde Feilaktion sein lassen zu können.

Zufrieden: Ergebnis die Hitzeaktion

Mit Schotter und Grasimitation versehen fand ich das neuen Mittelleiter-Gleis echt ansprechend.

Ansehnlich: das neue 3-Leiter-Gleis geschottert und begrünt

Detail: Mittelleitergleis von Nahem

Für Tunnel oder andere nicht so wichtige Streckenabschnitte habe ich mal ausprobiert, wie es ist, den Draht einfach nur so um die Schwellen herum zu wickeln. Das hat auch ganz gut geklappt und ist natürlich viel einfacher als die andere Technik.

Abwechselnd: andere Möglichkeit für Tunnel o. ä.

Nun wollte ich probieren, wie das Ganze auf einer etwas größeren Distanz funktioniert. Dazu habe ich den Draht vor und nach dem Biegen ausgemessen. Die Werte sind aber nur theoretischer Natur, denn es kommt auf die Biegeparameter an, wieviel PuKos aus einem Draht herauskommen – Schlafenbreite, -höhe usw. Für diese Arbeiten habe ich das Roco-Gleis mit den 2,5mm-Profilen hergenommen. Außerdem wollte ich probieren, ob Gleichstrom- und Wechselstromfahrzeuge gleichermaßen auf diesem Gleisabschnitt fahren können.

Noch gerade: der Draht vor dem Biegen

Gebogen: so viel schafft man mit 40cm

Dann hatte ich einen Einfall, der die Idee mit dem Einschmelzen des gebogenen Mittelleiters erheblich erleichterte, was damit einherging, dass die Schwellen nicht mehr unkontrolliert verbogen. Ich drehte das Gleis um und schmolz den Draht direkt an der Stelle in die Schwelle, wo er sitzen sollte.

Verbessert: Schmelztechnik für den Mittelleiter

Das hatte auch den Vorteil, dass der Mittelleiter schnell und einfach mit dem Gleis verbunden werden konnte ohne dass es ein Gefummel beim Befestigen des neuen Gleises auf dem Untergrund gab.

Besser: Keine verbogenen Schwellen mehr

Das habe ich dann auch gleich mal ausprobiert.

Noch nackt: die aufgeklebten neuen Mittelleitergleise noch ohne Schotter

Auf dem nächsten Bild sieht man den Teil, wo der Draht endet. Für die Schnittstelle habe ich einfach dort die beiden Enden zusammengelötet.

Übergang: Stelle der Verbindung von zwei Abschnitten

Für den nachfolgenden Testbetrieb habe ich drei Kabel an die Schienen und den Mittelleiter gelötet. So kann die Fleischmann V100 (per grauem und rechtem gelben Kabel) und die Märklin V200 (mit den gelben Kabeln) auf dem selben Gleis verkehren.

Kontakt: Anschlüsse der drei Leiter

Eingeschottert sind die Drahtschlaufen kaum noch zu erkennen. Allerdings sind sie etwas hoch geraten.

Schön: Eingeschottertes Gleis

Nachfolgend sind die beiden Testfahrzeuge von unten zu sehen. Oben die V200 von Märklin und unten die V100 von Fleischmann.

Testfahrzeuge: V200 (oben) und V100 (unten)

Beide Fahrzeuge haben das Testpensum hervorragend überstanden.

Diesel: V100 souverän auf dem Gleis

Schleift: Schleifer auf den neuen PuKos

Fährt: keine Kontaktprobleme für die V200

Nun gilt es, eine Weiche mit diesen PuKos auszustatten. Schwierig ist da im ersten Moment, dass die Radstände leicht verändert scheinen – erste Versuche haben das gezeigt.

Nun hier nun noch zwei Videoclips, die zeigen dass beide Testfahrzeuge sicher und gut über das Gleis rollen.

You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

Falls sich jemand fragt, ob sich der Aufwand lohnt, heißt die Antwort sicher ‚Nein‘. Es ging mir aber um die Herausforderung, den Weg, der das Ziel darstellt sozusagen.

Vielleicht mag es jemand mal ausprobieren oder hat Verbesserungsvorschläge. Spaß macht die Bastelei allemal, weshalb ich mir gar nicht erst die Frage nach dem Sinn dieser Arbeit gestellt habe 😉

07. Juli 2009 von Linus

Stichworte: , , , , , , , , , , ,
Abgelegt unter Gleisbau | Kommentare (5)

 
 

Nie wieder einen Beitrag verpassen mit dem individuellen Benachrichtigungsservice!

 
 

Andere Artikel



Kommentare, Fragen und Tipps

5 Beiträge zu “3-Leiter-Gleise (mit Mittelleiter) für H0 selbst gebaut – Praxis”

  1. Robert schreibt am 25. Mai 2011 um 14:55:

    Hallo nach Deutschland

    Bin per Zufall auf dieser Seite gelandet. Habe jetzt ein paar Basteltipps angeschaut und muss Ihnen /Euch ein grosses Kompliment machen. Da ich selber gelegentlich Moba Artikel in der Schweiz verkaufe um unser Hobby mit meinem Sohn zu finanzieren, weis ich, was alleine schon das Fotografieren an Zeit kostet. Und dann noch einen passenden Text zu Verfassen endet in Arbeit. Deshalb an Sie besten Dank für Eure Arbeit:-)

    Beste Grüsse aus Zürich

    Robert mit Leroy

  2. Eisenhaufenleo schreibt am 17. Oktober 2012 um 19:54:

    Hallo,

    ich finde diese Methode aus einem Zweileiter ein Dreileitergleis zu machen ausgesprochen interssant. Welchen Draht nimmt n#man idealerweise dazu ?

    Viele Grüße

    Leo

  3. Dipl.- Ing. Ulrich Meyer schreibt am 07. November 2012 um 11:49:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Frage der Herstellung, Anordnung und Bauart der Punktkontakte im normalge Gleis ist nicht unbedingt ein Problem.
    Der Teufel steckt in der Ausrüstung der Weichen!
    Und welchen Sinn hat denn das beste Puko-Gleis, wenn die Weichen nicht auch im Eigenbau enststehen oder freizügig gewählt werden können.

    Viele halten das Ausrüsen von DKW/EKW und sehr schlanken Weichen für praktisch unmöglich.
    Dass das doch geht, habe ich in der EJ-Sonderausgabe „Blütezeit der DRG“ vorgeführt!

    Allerdings wären hier bestimmte Bauteile notwendig und wünschenswert,die in größerer Stückzahl nur mit einem ganz bestimmten Werkzeugaufwand hergestellt werden können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ulrich Meyer

  4. Linus schreibt am 23. Dezember 2012 um 23:54:

    Hallo,
    ich habe begonnen, seinerzeit eine Weiche mit den Punktkontakten zu bauen. Das wollte ich auch noch vorstellen, dann ist das Projekt aber ins Stocken geraten und andere Basteldinge sind bevorzugt worden. Wenn ich es schaffe, dokumentiere ich den Umbau der Roco-Line-Weiche bei Gelegenheit.
    Schöne Grüße!

  5. Frank Blume schreibt am 15. Januar 2013 um 22:50:

    Hallo,
    finde Euren Artikel sehr intressant. Wir fahren auf unseren Modulen 2 und 3 Leiter Mischbetrieb. Da das K-Gleis von Märklin auf Dauer eine sehr teure Angelegenheit ist und auch vom optischen Aspekt nicht das Gelbe vom Ei ist, habe ich ein Stanzwerkzeug für den Mittelleiter konstruiert. Ich bin gerade dabei, dieses Werkzeug nach Feierabend fertig zu stellen. Übrigends verwenden wir Weichen von Shinohara, die wir auf 3-Leiter umbauen, was pro Weiche ca. 1Std. Aufwand ist und tadellos funktioniert.
    Wer Interesse hat, kann sich gerne bei mir melden.

Letzte Kommentare

  • werner,klaus-peter: kann mann eine innenbeleucchtung(glühbir...
  • Peter Natz: Hallo G. Stern Mit dem BM 1 geht das nicht, da...
  • Stefan K.: Habe verschiedenes Gleismaterial von DDR-Zeiten...
  • karl: Roco HO weichenantrieb schalted nur in eine richtung!...
  • G.Stern: Hallo, wer kann mir helfen? Benötige einen Schaltplan...

Zuletzt erschienen

Stichwortwolke