Tag der offenen Tore der Historischen S-Bahn Berlin

Da die Eisenbahn, hier die S-Bahn Berlin, etwas größere Öffnungen für die Fahrzeuge braucht, war dieses Wochenende nicht „Tag der offenen Tür“, sondern „Tag der offenen Tore“ am 17. und 18. Mai 2008 beim Verein Historische S-Bahn Berlin.

Ich traf kurz vor 17 Uhr am Sonntag ein und schaute mich erst einmal um. Das Gros der Besucher muss schon durch gewesen sein, viel war eigentlich nicht los. Ich sah, dass man für kleine 2 Euro an einer knapp eineinhalbstündige Führung unter Leitung eines aktiven jungen S-Bahn-Triebfahrzeugführers teilnehmen konnte. Das tat ich dann auch – mir blieb nichts anderes übrig, weil man sowieso nicht allein durch die große Halle schwänzeln durfte.

Letztendlich war das aber total toll, denn man hat doch so einiges erfahren, doch dazu später mehr.

Das erste Fahrzeug, welches mir vor die Linse kam, war ein alter Zug der Baureihe 277. Schlechthin das Gesicht der Ost-Berliner S-Bahn. Heute dient er als Werkstattwagen unter der Bezeichnung 478/878.

Zug der Baureihe 277: nun als BR478/878 unterwegs

Die Bauart Stadtbahn ist einer der Vorgänger der Baureihe 277 und eigentlich das Fahrzeug, welches den elektrischen Betrieb bei der Berliner S-Bahn bewältigt hat. Andere Bauarten wie Oranienburg oder Bernau haben sich nicht durchsetzen können. Die Bauart Bernau hatte bspw. eine ungünstige Wagenanordnung (2 lange Wagen an den Enden und 3 kurze Beiwagen dazwischen) oder ein so hohes Tonnendach, dass damit nicht durch den Nord-Südtunnel gefahren werden konnte.

Bauart Stadtbahn

Dann wurde gezeigt, wie der Strom von den seitlich angeordneten Stromschienen abgenommen worden ist. Das Bild zeigt nämlich den mechanischen Stromabnehmer älterer Bauarten. Die alten Stromschienen waren aus Stahl, die modernen sind aus Aluminium. Als Schleifstücke werden welche aus Grauguss benutzt, die austauschbar sind. Die Bügel für die Halter der Schleifer hatten Sollbruchstellen, was einen Schutz der Stromschiene im Havahriefall zur Folge hatte. Mit dem langen Hebel links konnte ein beschädigter Stromabnehmer nach innen geklappt werden.

Stromabnehmer der S-Bahn Berlin

Ohne die Führung mitgemacht zu haben, hätte man folgende Information nicht bekommen: Die Fahrgäste nutzen die zum Sonnenschutz eingebauten Vorhänge gern als Taschentuch, so dass schnellstmöglich eine andere Möglichkeit für den Blendschutz gefunden werden musste. Eklichmann.

Früher üblich: Vorhänge an den Fenstern der S-Bahn

Nachfolgend ist der so genannte Bankierzug zu sehen. Er hat die Besonderheit, dass er 120km/h fahren konnte. Zu erkennen an den 2 schwarzen Strichen rundum. Alle langsamen Züge hatten nur einen breiten Streifen. Diese Wagen wurden für die Strecke zwischenBerlin-Zehlendorf und Berlin-Grunewald genutzt. Man schraubte an die Fernbahngleise Stromschienen, so dass diese Züge an den langsamen vorbeihuschen konnten.

Bankierzug mit 120km/h

Die elektrischen S-Bahnen in Berlin sind seit jeher mit Scharfenbergkupplungen ausgerüstet, so dass alte und neue Wagen mechanisch zusammenpassen würden. Die neuen Wagen haben allerdings keine pneumatischen Bremsen mehr. Die Anschlüsse sind mittig oben und unten am Kuppkungskopf zu sehen. Der schräge Hebel unten an der Kupplung ist starr und sorgt für ein sauberes Ankuppeln auch in Kurven, da die Hebel so angebarcht sind, dass sie die Kupplung in die richtige Stellung bringen. Die elektrischen Anschlüsse mussten früher per Hand angeschlossen werden, also das Ding rechts unten in die Dose am anderen Wagen, so wie der Stecker vom anderen Wagen in die Dose links unten.

Alte Scharfenbergkupplung

Hier sieht man noch einmal so einen Stecker/Dosen Haufen. Die müssen was gewogen haben…

Verbindungselemente für die Elektrik

Bei den modernen S-Bahn-Zügen wird der ganze Elektrokram automatisch verkuppelt. Das geschieht mittels Stiften, die hinter einer Abdeckung sitzen, die man im Normalfall nicht sieht, da sich Blenden gegen Umwelteinflüsse davor befinden. Hier aber mal die aufgedeckte Ansicht.

Scharfenbergkupplung einer modernen S-Bahn

Ein anderes interessantes Detail moderner Fahrzeuge ist die Federung. Sie besteht nämlich aus Luft. Hier ist der dicke Faltenbalg, der dafür sorgt, dass man über die Gleise schwebt.

Luftfeder einer BR481/482

Vor der Halle war dann noch eine kleine Parade aufgestellt. Von links nach rechts: BR 477/877 (früher BR277), ET/EB 167 (Bauart 1937), BR 275 (Bauart Wannseebahn), ET/EB 165 (Bauart Stadtbahn).

Parade verschiedener S-Bahn-Züge

Irgendwann wurden die traditionellen Farben der Berliner S-Bahn durch diese Farbgebung ersetzt. Dieses Fahrzeug stand dann auch für eine kleine Fahrt zur Verfügung. Und da war es wieder: das alte S-Bahn-Feeling aus der Kindheit…

Führerstandsmitfahrt möglich…

Dazu gibt’s jetzt hier auch einige filmische Mitschnitte. Erster zeigt die Ausfahrt des Viertelzuges der Baureihe 276:

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Die Einfahrt einige Minuten später sah so aus:

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Sogar eine Führerstandsmitfahrt war möglich:

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Eine schöne informative Veranstaltung, die ich weiterempfehlen kann.

21. Mai 2008 von Linus

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Kommentare, Fragen und Tipps

3 Beiträge zu “Tag der offenen Tore der Historischen S-Bahn Berlin”

  1. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Wie man mit der S-Bahn in Berlin erster Klasse fahren kann! schreibt am 19. Juli 2008 um 09:30:

    […] der Führung am Tag der offenen Tore der Historischen S-Bahn wies man die Gäste darauf hin, dass bei den modernen S-Bahnzügen ein 1. Klasse-Abteil bei der […]

  2. Norbert Bluhm schreibt am 29. Dezember 2009 um 18:37:

    Als ehemaliger Berliner der nun in Kanada wohnt war das doch ein echter Genuss – vielen Dank.

    Norbert Bluhm

  3. Die Modellbahn und ihr Vorbild » Tag der offenen Tore der Historischen S-Bahn Berlin in Erkner schreibt am 06. Juli 2010 um 18:34:

    […] 5. und 6. Juni 2010 war es mal wieder so weit. Nach 2008 öffnete das S-Bahn Betriebswerk Erkner mit seinen historischen Fahrzeugen die Tore für interessierte Besucher und bot dem Betrachter eine […]

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