Verschiedenes zur Modellbahn, meist Spur H0, und zur großen Eisenbahn
Als H0-Modell aus DDR-Zeiten gibt es massenweise die zwei- und vierteiligen Schicht/Piko-Doppelstock-Züge vom Typ DBze und DBv(e) bzw. DB7 und DB13. Leider haben sie ab Werk kein Wendezug-Abteil, so dass Pendelfahrten auf der Modellbahnanlage ohne Umsetzen der Lokomotive nicht möglich sind. Vor allem auf offenen Strecken mit Stumpfgleisen ist ein schöner Modelleisenbahnbetrieb nicht möglich. Daher erschien es nur umso reizvoller mittels Umbausatz und einigen Ideen im Hinterkopf so ein Projekt auf den Plan zu rufen. Vor allem, weil schon einmal ein Doppelstock-Zug diesen Typs auf ganz andere Weise umgebaut worden ist.
Außerdem ist so ein Umbau prädestiniert, um Funktionen mit der neuen digitalen Steuerung bedienbar zu machen. Mit preiswerten Funktionsdecodern sollte das auch finanziell überschaubar bleiben.
Bis jetzt ist es mir nicht gelungen herauszufinden, ob es auch zweiteilige Einheiten gab, die über ein Steuerwagen-Abteil verfügten. Falls es sich herausstellen sollte, dass es diese Züge nie gab, möchte ich die Nietenzähler bitten, nicht zu hart mit mir zu sein
Folgende Dinge standen auf dem Plan, die verbessert, umgebaut oder repariert werden mussten:
Bevor die Arbeiten beginnen, wird erst einmal die Ausgangssituation in Bildern festgehalten.

Doppelstock-Zug vor dem Umbau: Zustand mittelmäßig

Fehlt: Faltenbalg zwischen den Wagenteilen

Fehlt ebenfalls: Mittlerer Radsatz im Jakobsdrehgestell

Farblos: Innenausstattung des Doppelstockzuges

Eine Seite: Front noch ohne Steuerabteil und Puffer defekt

Andere Seite: Alte Kupplung - sehr lang

Potenzial: Reinigen und farbig gestalten
Zuerst werden die Wagenkästen zerlegt und gereinigt. Das klappt eigentlich am Besten mit lauwarmen Wasser und etwas Spülmittel. Eine Zahnbürste kümmert sich um hartnäckigen Schmutz in Ecken.
Da die Sitzbänke der originalen Doppelstockwagen aus rotem Kunstleder bestehen, werden diese im Modell ebenfalls rot eingefärbt. Die Sitzkonsolen werden einfach mattschwarz angestrichen, damit man sie beim Blick von außen nicht gleich sieht. Auf diesem Bild kann man auch gleich weitere Farben des Innenraums erkennen, die ebenfalls Verwendung finden.

Innenraum im Dosto: Rote Sitze, mattschwarze Konsolen und dunkelbrauner Fußboden
Auch die schwarzen Flächen, die zum Untergestell des Doppelstockzuges gehören werden farblich behandelt. Das schafft eine homogene Fußbodenfläche im Inneren.

Fein: Ober- und Unterdeck nun mit gestalteten Sitzabteilen
Vor allem bei beleuchteten Wagen bringt die Innengestaltung etwas. Im Dunkeln kann man dann gut denn Innenausbau sehen.

Gut sichtbar: Sitze durch die gereinigten Scheiben
Für die Innenbeleuchtung muss man sich erst einmal einen Überblick verschaffen: Reichen bspw. die Platzverhältnisse aus, um sinnvoll Licht einbauen zu können und welche Schwierigkeiten können noch auftauchen?
Erste Hürde ist der riesige originale Lichtleiter, der mit den Fenstern im Oberdeck verbunden ist, dass man ihn nicht einfach so weglassen kann. Also wird er weiterverwendet und die LEDs so platziert, dass er seiner Aufgabe gerecht wird. Im Unterdeck werden ebenfalls LEDs benutzt, die so ausgerichtet sind, dass eine gute Ausleuchtung gewährleistet ist.

Innenraumbeleuchtet: LEDs am Lichtleiter für das Oberdeck
Die LEDs für die Innenbeleuchtung laufen nicht über den Digital-Decoder und sind deshalb nicht schaltbar. In den unteren Bildern ist rechts ein Puffer-Kondensator zu sehen, der Spannungsschwankungen verhindern soll. Leider ist er immer noch zu klein gewählt…

Bunt und hell: Auch das Unterdeck hat LED-Licht und rundum Farbe

Montiert: Oberdeck auf Chassis befestigt
Die Spannungsversorgung der LEDs erfolgt über kleine Brückengleichrichter und Widerständen mit R=750Ohm. Sie müssten evtl. noch vergrößert werden, da das Licht noch etwas hell ist. Sämtliche Verbindungen, die auch mal zur Demontage getrennt werden müssen, sind mit kleinen Steckern versehen – zu sehen in obigen Bildern links am Rand.
Beginnen wir nun mit dem eigentlich Hauptteil des Umbauprojektes. Ein wenig zögerlich ist man schon beim Eingriff in die Struktur des Wagenkastens. Ein gröberer Fehler und der ganze Zug ist hin! So schlimm ist es dann aber gar nicht geworden.

Noch einzeln: Ätzteil und Wagenkasten müssen zusammen
Die einzelnen Schritte zeigen die folgenden Bilder eigentlich ganz gut, so dass man nicht mehr viel darüber sagen muss. Wichtig ist natürlich sorgfältiges Arbeiten. Manchmal muss man etwas improvisieren, aber im Großen und Ganzen geht die Arbeit leicht von der Hand. Vorsichtig trennt man die Fensterstege heraus – jetzt gibt es kein Zurück mehr.

1. Schritt: Herausbrechen der Fensterstege
Nach der beiliegenden Beschreibung der Ätzteile vergrößert man nun das Loch an der Stirnseite des Wagenkastens.

2. Schritt: Glätten der Kanten des Ausschnitts
Damit das Ätzteil gut befestigt werden kann, müssen alle Unebenheiten auf der Oberfläche entfernt werden.

3. Schritt: Glätten der Oberfläche der Wagenkastenfront
Mit Hilfe der neuen Steuerwagen-Front, die man als Schablone nimmt, kann die Position der Löcher bestimmt werden.

4. Schritt: Bohren der Löcher für die Beleuchtung
Wenn die Löcher gebohrt sind, kann die neue Front aufgeklebt werden. Zuvor sollte man aber die Fensterscheiben zurechtgeschnitten haben, weil ein späteres Anpassen nahezu unmöglich oder sehr fummelig ist.

5. Schritt: Ankleben der Steuerwagenfront
Es folgenden Standard-Arbeiten: Spachteln und Schleifen. Wer gut ist, braucht es vielleicht nur einmal, aber normal muss man ein paar Mal nachspachteln und immer wieder drüberschleifen. Also eine kleine Zeitschleife…

6. Schritt: Spachteln der seitlichen und oberen Kante(n)
Lackieren mit der Airbrush geht auch ganz ordentlich, allerdings hab ich keine Grundierung benutzt. Bis jetzt hält die Farbe aber gut, daher hab ich das nicht bereut. Es handelt sich um den Farbton RAL 6002.

7. Schritt: Schleifen und Abkleben vor dem Lackieren
Eigentlich wollte ich das Dach gleich mitlackieren, aber der richtige RAL-Ton war nicht zu kriegen. Nach einigen Recherchen hatte ich rausgefunden, dass man RAL 8000 benutzen muss. Revell hatte diesen Farbton mal Programm, aber jetzt nicht mehr. Ich werde ihn sicher mal woanders auftreiben und dann verschwindet auch die eine Schadstelle und das nicht vorbildgetreue Grau.

8. Schritt: Lackieren der Steuerwagenfront des Doppelstockzuges
Noch sieht die Steuerwagen-Front ziemlich kahl aus. Aber es folgen noch die kleinen Anbauteile, die Puffer, die Frontscheibe und vor allem das digital schaltbare Drei-Licht-Spitzensignal. Auf die silbernen Lampenringe wurde verzichtet, dafür gibts was anderes Feines – aber das erst im zweiten Teil
03. Mai 2010 von Linus
Stichworte: Airbrush, Decoder, digitale Steuerung, Digitalisierung, Doppelstockwagen, Doppelstockzug, Funktionsdecoder, H0, Innenbeleuchtung, LED, Modellbahn, Modelleisenbahn, Reisezugwagen, Spitzensignal schaltbar, Steuerwagen
Abgelegt unter Altern/Supern, Digital, Hersteller, Schicht | Kommentare (15)
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[...] soll es nun, wie versprochen, um die Fortführung des Umbaus des alten H0-DDR-Dostos gehen. Im ersten Teil war bereits über die Innenbeleuchtung mit LEDs und die Modifizierung des [...]
Sehr schöner Umbau, vielleicht nehme ich das auch mal in Angriff.
Meine Frage: was ist denn mit dem fehlenden Faltenbalg passiert? Ich suche eine evtl. schönere Ausführung als die Oroginalen Papierbälge.
Gruß
Stefan
Hi Stefan,
habe erstmal einen Papierfaltenbalg genommen. Gibt es Alternativen? Mir ist keine bekannt.
Vielleicht jemand anderes?
Sag doch mal bescheid, wenn Dein Umbau fertig ist
Ebenfalls Grüße!
In gewisser Weise bin ich auch ein “Technikfreund” und für eure Seiten kann ich mich echt stark begeistern. Den hier beschriebenen Umbau werde ich auch in angriff nehmen, soviel ist schon mal sicher. In Sachen Faltenbalg habe ich diese Lösung in meiner Trickkiste: http://home.teleos-web.de/lwecke/doppel_v160/pic00748.jpg
Gruß,
Lutz
Sehr schöner Umbau. Kannst du mir bitte verraten, wo du die Front für den Steuerwagen und die Zurüstteile her hast. Danke
Gruß
Thomas
Hi Lutz, hi Thomas,
schöne Lösung mit dem Faltenbalg!
Die Zurüstteile sind ganz normale Teile aus dem Roco-Sortiment. Die Ätzteile für die Steuerwagenfront gibt es bei Kuswa. Kann man einfach per Suchmaschine finden.
Viel Spaß Euch beiden beim Umbau!
Moin,
ich habe diese Wagen noch aus DDR-Zeiten und möchte jetzt neue Drehgestelle einbauen. Könnt Ihr mir sagen, wo ich passende Drehgestelle bekommen kann?
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich eine positive Antwort bekäme.
Grüsse aus dem Norden.
Konrad Planert
Hallo Konrad,
warum neue Drehgestelle? Um die Laufeigenschaften zu verbessern, habe ich mir neue Achsen von http://www.das-service.de/modellbahn-radsatz (Thomschke) gekauft.
Hallo Konrad,
hast Du eine Lösung gefunden?
Schöne Grüße
Hallo, ich habe im vergangenen Jahr meinen DoSto auch umgebaut. Hier meine Idee für Kurzkupplung des Drehgestells.
http://www.railroad24.de/modellbahnbilder/bilder.php?id=2084
Gruß Micha
Hi Micha,
wie hast Du die Drähte so hinbekommen, hattest Du eine Biegelehre?
Sieht echt super aus!
Schöne Grüße
Hallo Linus,
ich hatte ein Foto von einem Wagen mit solch einer Kulissenführung und habe die Drähte frei Hand gebogen, erst mit einer kleinen Rundzange in der Mitte den Knick und dann mit der Hand die Bögen. Der 1mm-MS-Draht, den ich hatte, machte sich sehr gut, ist recht hart, so dass sich die Bögen gut biegen ließen. Da nicht der komplette Weg benutzt wird, hat man etwas Korrekturmöglichkeit nach dem Löten. Ich habe dass dann immer am Drehgestell auf Leichtgängigkeit getestet. Beim Blech muss man probieren, dass die Auflage-Nasen des Wagens auch in der Kurve draufbleiben. Die Ränder vom Blech kann man eventuell etwas anders gestalten, in der Mitte muss aber die Delle sein wegen des Wagenkastens. Die Bälge muss man auch halbieren, sonst sitzt alles zu stramm. Eine bessere Idee habe ich noch nicht, das Problem sehe ich bei Gegenkurven, mit der Lösung von Lutz denke ich klappt das hier nicht. Insgesamt hat es eine Weile gedauert, alles anzupassen, zumal ich dann ja auch noch dem Wendezug-Führerstand mit Beleuchtung/Decoder eingebaut habe und dafür dann noch vom Drehgestell den Strom brauchte. Und alles sollte einfach abnehmbar bleiben.
http://www.railroad24.de/modellbahnbilder/bilder.php?id=2180
Sehr gut gelungen finde ich die farbliche Aufwertung des Innenraumes. Das werde ich auch irgendwann noch in Angriff nehmen. Und auch noch Zurüstteile anbauen.
Gruß Micha
Hey Micha, super mit der Kulissenführung. Werd ich erstmal nicht probieren – zu viele andere Baustellen. Aber die Innenbeleuchtung steht zur Überarbeitung auf dem Zettel, die is noch nicht das Wahre…
Viele Bastelgrüße!
Hallo Micha,
deine Kulisse hatte ich seinerzeit gesehen. Dadurch wurde ich inspiriert etwas ähnliches zu machen. Bisher gibt es nur einen halbfertigen Bericht dazu. Im Herbst werde ich die Sache wohl zu Ende bringen.
http://home.teleos-web.de/lwecke/dosto_dr/dostodr.html
Bastelnde Grüße,
Lutz
Hallo Lutz,
schöne Idee mit den Blechstreifen. Hätte ich mir aber nicht zugetraut, das so genau zu fräsen. Ich würde aber den Abstand zwischen der Kulisse und dem Zapfen, an dem sich das Fahrgestell verschiebt, vergrößern. Dadurch erhöht sich der Weg an der Kulisse und damit die Auslenkung. Soll heißen, im Geradeausbetrieb könnte dann der Abstand noch geringer werden. Ich hatte mir einige Wagen-Positionen auf Papier skizziert und danach dann die Kulisse gebogen. Ich bin so bei ca. 5mm Abstand geschoben gerade und 3mm geschoben R380. Beim Ziehen ist es geradeaus 1mm mehr. In der Kurve ist das Ganze fast ohne Spiel.
Habe noch eine Kupplungs-Bastelei an älteren Bi33-Wagen. Ist für den kompletten Zug gedacht.
http://home.arcor.de/michael.hochmuth/MoBa/Bi33/CIMG6660k.jpg
http://home.arcor.de/michael.hochmuth/MoBa/Bi33/CIMG6661k.jpg
http://home.arcor.de/michael.hochmuth/MoBa/Bi33/CIMG6662k.jpg
Gruß Micha